Kann Synode Demokratie?

Konstituierende Tagung der Bayerischen Landessynode in GeiselwindOb Kirche Demokratie kann – das sollte sich auch in Pandemie-Zeiten erweisen. Unser AEE-Sprecher Hans-Willi Büttner geht im folgenden Beitrag auf die derzeit eher virtuelle Arbeit der neuen bayerischen Landessynode ein und fordert unter dem Stichwort „Beteiligungsgerechtigkeit“ die „Rückbindung“ des Kirchenparlaments an sein Wahlvolk. Lesen Sie hier den ganzen Text:

Kann Synode Demokratie?

Beteiligungsgerechtigkeit in Pandemie-Zeiten / Von Hans Willi Büttner

„Kann Kirche Demokratie in ihren eigenen Leitungsstrukturen? Kirche als Lebensform des Volkes Gottes hat auch in ihrer Gestalt die Gleichwertigkeit und die Beteiligungsgerechtigkeit ihrer Mitglieder zu spiegeln. ... Wer von der Gesellschaft Gerechtigkeit fordert, muss zuallererst in der Struktur der Kirche Beteiligungsgerechtigkeit exemplarisch vorleben. ...“  So Prof. Peter Bubmann im Herbst 2019 bei der AEE-Tagung.

Die Wahl zur neuen Landessynode folgte wenig später und es folgte die Pandemie. Keine gute Zeit für Grundsatzfragen in Sachen Demokratie in der Kirche, aber Zeit für kreative Notmaßnahmen in einem so nicht gekannten Zusammenbruch unserer Kommunikationswege.

Und noch sind wir lange nicht über das Allernötigste hinaus. Die neue Landessynode konnte sich mit erheblicher Verspätung konstituieren - in verkürzter Präsenztagung unter Ausschluss präsenter Öffentlichkeit. Und die Herbstsynode musste ganz und gar online tagen. Sie konnte immerhin per Videostream verfolgt werden. Was da aus Not geboren wurde, war - das muss man sagen, ehe es kritischer weitergeht - eine Meisterleistung! Zugleich waren beide Synoden Testläufe, wie es gehen kann, wenn es nicht so wie sonst machbar ist.

Wir wären gerne dabei gewesen - wie sonst -, um präsent zu sein, für Gespräche en passant, um Stimmungen und Trends aufzufangen. Im Leitenden Team waren wir uns jedoch einig, dass wir die Organisator*innen erst mal in Ruhe lassen sollten. Hätte die Herbsttagung als Präsenzverantaltung in Geiselwind stattgefunden, wäre uns aber hart angekommen, ausgeschlossen zu werden. Da wären andere Kompromisse möglich gewesen, z. B. mit einem beheizten Gäste- und Begegnungszelt.

Wie soll es mit der Frühjahrssynode weitergehen? Wird man wieder unter sich bleiben, auch wenn ferne Zuschauer per Lifestream teilhaben dürfen? Wehret den Anfängen! Jedes Gremium hat’s gerne, wenn von außen nicht auch noch jemand hineinquatscht. Das ist einfach so. Aber es möge niemand vergessen, dass Synodale vom Kirchenvolk (zumindest mittelbar) gewählte Abgeordnete und damit Vertreter*innen ihres Kirchenvolkes sind. Das gilt entsprechend für die Mitglieder des Landessynodalausschusses. Und wer vertritt ist verpflichtet zu beteiligen und übernimmt damit eine Verantwortung, die sich nicht allein über Verfahrensregeln definieren lässt, sondern kommunikative Nähe braucht.

Es geht nicht darum, dass man in unserer Kirche erst lernen müsste, wie Beteiligung und Mitbestimmung geht. Es besteht auch kein Zweifel, dass repräsentative Entscheidungen nötig und wesentlich sind. Was aber die Rückbindung der Gremien und derer, die sie ausmachen, an die, die sie vertreten betrifft, gibt es noch viel zu lernen und anzuwenden.