Das 9-Euro-Ticket

Es wird heiß diskutiert, was uns die nächsten 3 Monate erwartet: Ein Freifahrschein für den kompletten ÖPNV (mit Ausnahme des Fernverkehrs) für nur 9€ im Monat. Kann das gut gehen? Ist das die Rettung des ÖPNV, der Einstieg in die Verkehrswende? Oder ist es der Todesstoß für den Nahverkehr und der Schuss wird gnadenlos nach hinten losgehen?

 

Kommentar von Johannes Herold

 

Die Kommentatoren sind sich auf beiden Seiten einig – es wird die Erlösung oder ein totales Scheitern geben.

Klar ist: Das Gesetz hat einige Nachteile, zuvörderst die Tatsache, dass es auf 3 Monate beschränkt ist. Für diesen Zeitraum kann kein Unternehmen Personal einstellen, oder Busse  und Züge anschaffen. Das bedeutet, es handelt sich hierbei in keinem Fall um eine Maßnahme mit langfristigem Nutzen.

Und: Es wird mit Sicherheit in mancher Zugverbindung (das berühmte Ticket nach Sylt!) an gewissen Tagen zu überfüllten Wägen kommen, wenn Menschen so billig da hinkommen können, wo sie hinwollen. Erinnerungen werden wach an die 70er Jahre, wo es schon einmal ein Ticket gab, damals für 15 Mark. Als Nachgeborener kenne ich nur Schilderungen darüber, die Zustände müssen wirklich desaströs gewesen sein, Gott sei Dank wurde das ganz schnell wieder abgeschafft. Oder war es vielleicht gar nicht so schlimm? Die Zeitzeugen mögen selber darüber entscheiden.

Neben diesen unabweisbaren Nachteilen es Gesetzes ist aber zweierlei zu bedenken:

Erstens: Es handelt sich hier nicht um eine verkehrspolitische Maßnahme, sondern um eine sozialpolitische! Um die massiv gestiegenen Energiepreise abzufedern, sollen gerade die ärmeren Menschen entlastet werden, die sich gar kein Auto leisten können, sondern nur den ÖPNV. Das ist gut! Schade, dass auch die Autofahrer mit der Gießkanne pauschal gefördert werden, aus umweltpolitischer Sicht ist das natürlich ein Manko.

Und zweitens: Wenn jetzt drei Monate lang die Züge und Bahnen voll ausgelastet sein sollten, weil plötzlich alle mit dem ÖPNV fahren, dann ist das erst einmal auch gut! Und wer weiß, vielleicht führt es ja sogar zu einem gewissen Gewöhnungseffekt, dass die Menschen merken, wie gut der ÖPNV eigentlich ist.

Und wer weiß, vielleicht führt das Ganze dann ja auch zu einem Ausbau des ÖPNV auf dem Land – denn hier sitzen die eigentlichen Verlierer bei dem Gesetz. Auch hier gibt es nämlich Menschen, die auf das Auto angewiesen sind und nicht einfach umsteigen können. Für die Städte und Metropolregionen aber darf man sich durchaus positive Effekte von den nächsten drei Monaten erhoffen!

 

Johannes Herold