Next bishop

 
Bedford-Strohm

Bischöfin gesucht, die gerne auch ein Mann sein darf: So schrieben wir auf der letzten Seite des B+K 1/2022. Auch wenn es noch ein bisschen hin ist: Im Frühjahr 2022 steht in Bayern die nächste Bischofs-Wahl (oder eben auch: Bischöfinnen-Wahl) an. Der jetztige Bischof Heinrich Bedford-Strohm (Foto), der dann ein knappes Dutzend Jahre im Amt gewesen sein wird und der als dezidierter Vertreter einer "Öffentlichen Theologie" dieses auch sehr geprägt und ausgefüllt hat, wird dann zurücktreten.

Zum Thema "Next bishop" ein Kommentar von Hans-Gerhard Koch

 

 

Es war einmal (zuletzt 1999), da hat der AEE den nächsten Bischof vorgeschlagen, und der wurde auch gewählt.

Das ist heute nicht mehr so, und das muss auch nicht so sein.

Die Welt hat sich geändert, unsere Kirche auch. Und die Welt färbt kräftig auf die Kirche ab. Die so genannten „sozialen Medien“ verlangen Futter, möglichst jeden Tag. Und sie verlangen Bilder. Eine Sitzung eines kirchenleitenden Gremiums ist vergleichsweise langweilig. Da muss ein Gesicht her, und das ist dann das Gesicht der Kirche. Hatten wir schon mal, in katholischen Zeiten, und haben die Katholiken immer noch. Aber gab es nicht einmal eine Reformation, wo ein gewisser Luther gesagt hat: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei?“  Haben wir nicht in unserer das „Priestertum aller Gläubigen“? Beginnt nicht unsere Kirchenverfassung Artikel 60 „Der Landesbischof“ total nüchtern mit dem Satz „Der Landesbischof/die Landesbischöfin ist ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin.“? Und sind die katholischen Brüder (nur Brüder!) in den letzten Jahren wirklich gut gefahren mit einigen ihrer Bischöfe?

Also: niedriger hängen, den Medien zum Trotz.

Aber Vorstellungen, wie die nächste Bischöfin sein sollte (es kann auch ein Mann sein) haben wir schon. Der AEE wünscht sich wieder eine Bischöfin (eine Frau wäre eigentlich längst dran), die fromm und politisch ist. So, wie wir auch in unseren „Sieben Wegweisern“ sagen: „Kirche für andere sein heißt POLITISCHE KIRCHE sein. Dazu gehört, dass wir immer wieder auch konkret Partei ergreifen.“ Wir meinen nämlich, viele, die sich eine weniger politische Kirche wünschen, meinen damit nur, dass ihnen die Parteinahme der Kirche nicht passt, weil sie bei einer anderen Partei sind. Einen Bischof oder einen Bischof, der oder die nur sagt, was nirgends aneckt, das wünschen wir uns jedenfalls nicht.

Wenn es dabei bleibt, dass der Landesbischof auf 12 Jahre gewählt wird, also bis 2035, dann wird in dieser Zeit einiges ändern. Nicht nur, dass unsere Kirchen dann klimaneutral sein will (Tempo, Tempo!), wir werden mit viel weniger Pfarrpersonen und viel weniger Geld auskommen müssen. Da ist dann wirklich das „Priestertum aller Gläubigen“ gefragt. Und nicht eine in den Medien omnipräsente Führungsperson, hinter der dann erst Mal lange nichts kommt. Wir sind und bleiben eine demokratische, geschwisterliche Kirche und ein Kollektiv, keine Ein-Mann-Show.

Aber das wünschen wir uns schon, dass der nächste Landesbischof, die nächste Landesbischöfin einen klaren Blick und einen weiten Horizont hat. Dass er oder sie die Online-Gemeinde, die internationalen Gemeinden in unserem Land und die Zivilgesellschaft nicht nur sieht, sondern einbezieht. Und nicht ausgrenzt, sondern auf die Menschen zugeht, gerade auch auf die, die man eher nicht in den Kirchenbänken findet.

Wenn er, wenn sie das alles nicht schafft: Siehe vorn: Der Landesbischof/die Landesbischöfin ist (auch nur) ein Pfarrer/eine Pfarrerin. Und auch nur ein Mensch, dem Gott hoffentlich die Kraft für dieses Amt gibt. Und viele, die es mit ihm teilen.