Fasten – braucht’s das wirklich?

Von Hans-Gerhard Koch

Fasten? Fällt schwer!

Es stimmt ja: wir müssen wegen der Pandemie auf schon auf so vieles verzichten, was für unser Leben wichtig ist. Auf Fastenappelle, auf dies oder jenes in den sieben Wochen bis Ostern auch noch zu verzichten, könnten wir vielleicht gerade auch verzichten. Kein Alkohol, keine Schokolade, oder eben „Ohne Stillstand“, wie „Sieben Wochen ohne“ 2022 propagiert, das sind ja eher Peanuts gegen die vielen Dinge, die wir jetzt nicht dürfen. Und noch dazu unfreiwillig und immer noch mit Bußgeldern bedroht.

Zumal wir Evangelischen das Fasten eh kritisch sehen. Schon der Prophet Jesaja hat vor Missbrauch gewarnt:

Jesaja 58,1–9 (in Auszügen) Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Gib frei, die du bedrückst! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten.

Andererseits: Viele Religionen sehen den zeitweisen Verzicht auf manche Annehmlichkeiten eine Möglichkeit, den Kopf klar zu bekommen für das wirklich Wichtige. Deswegen empfehlen Fasten sogar Wellness-Gurus, und natürlich auch die eine oder andere Aktion für einen guten Zweck. Misereor, die Fastenaktion der katholischen Kirche erzählt unter dem Titel „Es geht.Gerecht.“ Mutmach-Geschichten, wie Menschen mit dem Klimawandel solidarisch zurecht kommen.

Es ist ja richtig: Covid-19 hat vieles in den Lockdown gezwungen, nur den Klimawandel nicht.

Wie es weiter gehen soll, nicht nur nach Corona, das ist ein Innehalten und Nachdenken alle Mal wert. Allerdings, wenn  Sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Karfreitag sind dafür nicht genug. Aber ein Anfang.

 

B&K