"Glaube in verletzlicher Zeit"

Corona und KircheCorona verwundet uns gleich dreimal: biologisch, spirituell, kirchenorganisatorisch! Starke Worte, die auf dem Themantag der Synode, unserem bayerischen Kirchenparlament, fielen. Unser Autor Hans-Gerhard Koch hat dazu einen theologischen Kommentar geschrieben.

 

Thementag der Synode „Glaube in verletzlicher Zeit“

Kommentar von Hans-Gerhard Koch

Das war durchaus respektabel, wie die Landessynode in einem virtuellen Thementag über „Glaube in verletzlicher Zeit“ debattiert hat. In der Tat, wir haben gelernt und lernen noch, dass es nicht unbedingt so geht, wie wir es gerne hätten. Ein kleiner Virus zeigt uns die Grenzen. Prof. Günter Thomas, systematischer Theologe, hat von spirituellen, biologischen und kirchenorganisatorischen „Verwundungen“ gesprochen, mit denen wir noch lange zu tun haben werden.

Auch wir vom AEE werden daran noch zu knabbern haben, ob denn Gottes Schöpfung wirklich gut ist, oder eben, wie der Virus, auch gegen uns? Ob unsere Medizin und unser Sozialstaat uns wirklich retten kann, und wo und bei wem beides versagt? Wie lange Kirche online existieren kann, bis sie ohne körperliche Präsenz eingeht? Ob man sie dann womöglich gar nicht mehr braucht?

Ob auch uns der Vorwurf trifft, wir hätten unsere Botschaft auf die ethische und politische Dimension reduziert und vergessen, woher wir dazu die spirituelle Kraft beziehen?

Kann sein, dass jetzt die Oberwasser bekommen, die schon immer gesagt haben, es käme auf Innerlichkeit und auf das „Eigentliche“ an. Und die Zeit einer „öffentlichen Theologie“, die sich den alltäglichen und politischen Fragen stellt, sei vorbei. Da hätte der Glaube eh nichts Definitves zu sagen.

Ich denke, man kann auf beiden Seiten vom Pferd fallen. „Beten und Tun des Gerechten“, wie es Dietrich Bonhoeffer es genannt hat, das gehört zusammen. Und Spiritualität entfaltet sich nicht nur da, wo man die Hände faltet, die Augen schließt und in sich geht. Womöglich ist sie ja auch da, wo man Probleme anpackt, die Augen für die Nöte öffnet und für Veränderungen auf die Straße geht.

Wir werden damit die Welt vielleicht nicht retten. Aber wir sind wenigstens ein paar Schritte auf dem Weg dazu, und dazwischen holen wir uns Kraft aus unseren geistlichen Wurzeln. Aber nicht anstatt.