aktuell
Neues b&k erschienen
- ein Interview mit dem neuen bay. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
- einen meinungsstarken Kommentar zur "Post-Demokratie"
- einen Bericht um die neue Entwicklung in den Palästinenser-Organisation Hamas und Fatah von Pfarrer Johannes Herold
-eine Zusammenfassung aus der letzten AEE-Klausur
AEE auf Facebook
Als Folge der Jahrestagung ist der aee auch auf Facebook zu finden:
http:/www.facebook.com/AEEbayern.
Wir bedanken uns bei unserem Mitglied Stefan Kern.
Neues Leitendes Team nimmt Arbeit auf
Das neue Leitende Team hat sich am 9. Dezember erstmals getroffen.
Es hat Pfarrer Martin Kleineidam zum Sprecher und Pfarrer Uli Willmer und stud.päd. Christine Wolf zu stellvertretenden Sprecher/in gewählt.
Weiterhin gehören dem LT 2011 - 2014 an:
Kurt Braml
Richard Gelenius
Dr. Karl-Friedrich Grimmer
Dr. Hans-Gerhard Koch
Dr. Annekathrin Preidel
Kristina Reichert und
Lutz Taubert
Zehn Quellen des Aufbruchs
Thesen zur Erneuerung von Kirche und Gesellschaft, beschlossen auf der Mitgliederversammlung in Bayreuth am 9. Oktober 2010
" Endlich klar ja sagen !"
Arbeitskreis Evangelische Erneuerung
Erklärung des AEE zur derzeitigen Diskussion in der Landeskirche
über homosexuelle Paare im Pfarramt
„Endlich klar Ja sagen !“
1. Der Arbeitskreis Evangelische Erneuerung (AEE) begrüßt den Beschluss des Landeskirchenrats, das Zusammenleben von schwulen und lesbischen Paaren in Pfarrhäusern erstmals offiziell zu ermöglichen. Damit wird eine langjährige Inkonsequenz und diskriminierende Ungleichbehandlung beseitigt oder wenigstens abgemildert.
2. Dennoch fragen wir: Ist es überhaupt nötig, dass Paare, die in einem Pfarrhaus leben, ihre sexuelle Orientierung offenbaren müssen? Im soeben beschlossenen neuen Pfarrdienstgesetz der EKD heißt es in § 39 zu Ehe und Familie: „Pfarrerinnen und Pfarrer sind auch in ihrer Lebensführung im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe an die Verpflichtungen aus der Ordination (§ 3 Absatz 2) gebunden. Hierfür sind Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung maßgebend.“ Das sind für uns die einzig tragfähigen Kriterien für Partnerschaften von Pfarrerinnen und Pfarrern.
3. An sich schätzen wir das Bemühen nach einem Konsens aller Beteiligten sehr. Aber ein Magnus Konsensus in dieser Frage setzt voraus, dass in kirchlichen Gremien über die sexuelle Orientierung derjenigen diskutiert wird, die am Konsensverfahren beteiligt oder von dessen Ergebnis betroffen sind. Das gehört aus unserer Sicht nicht dorthin und verletzt die Würde aller Beteiligten.
Auch wir schätzen Ehe und Familie hoch und möchten sie geschützt sehen. (Siehe AEE, Zehn Quellen des Aufbruchs, 2010). Aber Liebe wird heute in sehr verschiedenen Formen gelebt, und Partnerschaften sind durch ganz andere Dinge bedroht als durch die Gleichstellung homosexuell geprägter Menschen.
4. Den gesellschaftlichen Konsens über die Notwendigkeit dieser Gleichstellung betrachten wir als Fortschritt und begrüßen ihn um der betroffenen Menschen willen. Gleichstellung ist für uns „eine Frage der Liebe“. Die gleichnamige Stellungnahme des Arbeitskreises Bekennender Christen empfinden wir dagegen als nicht vom Geist der Liebe, sondern von dem der Selbstgerechtigkeit und Unduldsamkeit getragen.
5. Wir lehnen es ab, wenn aus Anlass der synodalen Diskussion längst überwundene, einseitige Argumentationen gegen homosexuelle Menschen und ihre Mitarbeit in der Kirche aufgewärmt werden.
Es gibt inzwischen einen breiten Konsens darüber, dass die ablehnenden biblischen Aussagen über Homosexualität auf dem Hintergrund ihres Entstehungskontextes zu interpretieren sind und sich überdies nicht auf neuzeitliche Formen homosexueller Identität und Partnerschaft beziehen.
6. Die Unterscheidung von „Person“, die man angeblich akzeptiert, und „Werk“, das man ablehnt, greift für uns im Falle einer homosexuellen Orientierung gerade nicht: sie ist eben kein Werk, sondern vorgefundener und biographisch angeeigneter Bestandteil der jeweiligen Personidentität und als solches zu achten, nicht therapeutisch oder seelsorgerlich zu bearbeiten oder gar zu beseitigen.
7. Wer Fragen der Sexualität - gar mit dem Versuch der Einschüchterung und Drohung - zum Anlass einer Kirchenspaltung nimmt, muss sich fragen lassen, ob jene wirklich Fragen des Lutherischen Bekenntnisses sind. Spaltung geschieht vielmehr schon da, wo Menschen wegen ihrer sexuellen Prägung aus kirchlichen Ämtern ausgeschlossen, für krank oder als von einer dämonischen Macht besessen erklärt werden.
8. Homosexuell lebende Menschen in unserer Kirche müssen schon seit der Fürther Erklärung von 1993 damit leben, dass unsere Kirche sie zwar grundsätzlich akzeptiert, aber mit allerlei Ausnahme- und Übergangsregelungen versucht, Bedenken und Gewissensbelastungen einer Minderheit von „Schwachen“ Rechnung zu tragen. Wenn aber die angeblich „Schwachen“ durch jahrzehntelange Lern- und Diskussionsverweigerung ihrerseits andere ausgrenzen und zu Schwachen machen, haben wir dafür kein Verständnis.
9. Wir geben zu bedenken: Auch homosexuelle Christinnen und Christen wünschen sich, durch gleichgeschlechtliche Paaren im Pfarrhaus Vorbilder und Orientierung zu bekommen, wie Homosexualität verantwortet und in Liebe gelebt werden kann. Auch in dieser Hinsicht dürfen wir für die Vielfalt in unserer Landeskirche, weiß Gott, dankbar sein.
10. Wir ermutigen die Landessynode zu einem klaren Ja zur Geschlechtlichkeit des Menschen in seiner Unterschiedlichkeit. Deswegen bitten wir die Landessynode zu überdenken, ob eine kirchenrechtliche Regelung überhaupt notwendig ist. Es ist Zeit, mutig den Weg in die Normalität zu gehen.
Bayreuth, den 18. November 2010
Für das Leitende Team des AEE
Martin Kleineidam
